Mit etwas Verspätung (ein paar Straßen waren von der Polizei abgesperrt worden) kam ich am Nachmittag mit meiner Mitfahrgelegenheit am Bahnhof von Nantes an. Meine Couchsurfing Gastgeberin wartete schon. Sie und ihr Mann wohnen direkt im Stadtzentrum, in dem Haus in dem Jules Verne geboren wurde. Auf dem kurzen Fußmarsch dorthin kamen wir an einer Grünanlage vorbei, die direkt vor dem Schloss von Nantes liegt. Dort stand eine große Menschenmenge, ein Mann redete durch ein Megafon, viele Leute hielten Fahnen hoch, man sah auch Karikaturen von Marine Le Pen und einem anderen Mann.

Innerhalb der Menschenmasse qualmte es, man sah rotes Licht und schließlich wurden Böller gezündet. Es knallte ziemlich laut und einige Menschen lösten sich von der Masse, liefen in unsere Richtung. Uns wurde mulmig zu Mute. Immer mehr kleine Grüppchen liefen in verschiedene Richtungen, rannten teilweise panisch über die Straße. So schnell wir konnten liefen wir in einem großen Bogen um die Masse herum und behielten die Menschen dabei immer im Auge. Je weiter wir uns entfernten, desto entspannter wurden wir.

“Was war denn das?!” fragte ich meine Gastgeberin Valeria.

“Die demonstrieren gegen einen Politiker von Front National, der wollte heute hier Wahlkampf betreiben und für Marine Le Pen werben.”

“Wow, dem haben die Leute heute wohl ordentlich die Meinung gegeigt.”

“Nicht nur heute. Hier gibt es öfters mal Demonstrationen. Aber so schlimm wie heute habe ich es auch noch nicht erlebt.”
Die Tram fuhr natürlich nicht. Stattdessen kamen kurz danach 15 große Polizeibullis und 2 ziemlich große Bullis mit einem Metallgitter vor der Haube. Die Fahrzeuge parkten alle ordentlich nebeneinander, die Polizisten stiegen aus und riegelten mit großen Metallgittern die Straße, durch die wir eben gekommen waren, komplett ab.

Eine Ecke weiter waren wir auch schon bei Valeria und ihrem Mann zu Hause angekommen. Valeria erzählte schnell Hernandos schnell, was draußen los war. Auch er war sehr überrascht. Die beiden kommen aus Mexiko. Hernandos absolviert hier seinen Master, sie ist mitgekommen und geht in eine Sprachschule um schnell Französisch zu lernen. Demonstrationen kennen die beiden aus ihrem Heimatland, auch mit Tränengas.
Nach einem späten Mittagessen gingen Valeria und ich noch einmal raus, um die Stadt etwas zu erkunden. Mittlerweile hatte sich die Lage entspannt, die Demonstration hatte sich aufgelöst und die Straße zum Schloss war wieder frei. Wir liefen durch die Innenstadt und plauderten. An einem großen Brunnen in der Nähe des Theaters trennten wir uns für eine Stunde. Sie war noch verabredet und so genoss ich es, mal wieder selbst durch die Straßen zu laufen.

Wieder zurück in der Wohnung saßen wir noch lange zusammen, aßen Chips und tranken Wein, erzählten über Reisen und Südamerika. Erst um halb 1 Uhr morgens kam ich ins Bett. Doch anstatt zu schlafen, musste ich noch ein wenig Reiseplanung für das Loire-Tal machen. Ich hatte nämlich noch keine Unterkunft für die kommende Nacht…
Um 10 Uhr am nächsten Morgen frühstückte ich erst mit Valeria. Dann musste ich endlich Nägel mit Köpfen machen und buchte ein Hotelzimmer im Süden von Tours sowie eine Mitfahrgelegeneit dorthin für diesen Nachmittag. Damit war ich etwas entspannter und konnte mich besser auf den Stadtrundgang mit Valeria konzentrieren.
Zuerst ging es ins Schloss von Nantes. Der Eintritt war frei und auch wenn das Wetter nur grau und nieselig war, war der Besuch doch schön. Zum Teil auch, weil sonst kaum Besucher dort waren und man in Ruhe herumgehen und Bilder machen konnte. Als nächstes ging es in die riesige Kathedrale nebenan. Dort sind unter anderem die Gräber (bzw. die Grabstatuen) der Eltern von Anne von Bretagne. Schließlich schlurften wir bei Nieselregen durch den Japanischen Garten und in die Kirche Sainte-Croix.

Zurück in der Wohnung gab es etwas Pizza. Dann machte ich mich noch  einmal schnell alleine auf den Weg in den Westen der Stadt zur Notre-Dame de Bon-Port.

Von dort aus ging ich kurz die Straße runter und über die Brücke auf die Île de Nantes, die in der Loire liegt und damit Nord- und Südstadt miteinander verbindet. Auf dieser Insel wollte ich Les Machines de l’Île sehen. In diesem Park werden verschiedene Mechanische Stücke ausgestellt. Das wohl bekannteste ist der riesige Elefant. Man kann sogar auf ihn klettern und eine Tour mit ihm machen. Er kann nämlich laufen! Zwar sehr langsam, aber es funktioniert. Und ab und zu lässt der Fahrer den großen Rüssel heben und wenn man nicht aufpasst wird man nassgespritzt. Wie bei einem richtigen Elefanten. Als ich dort ankam war der Elefant gerade in vollem Gange. Viele Familien standen davor und drum herum. Die Kleinsten aber schrieen vor Panik. Ist wohl nicht jedermanns Sache.

Daneben gab es noch ein Karussell, bei dem die Figuren allerdings keine Märchenfiguren darstellten, sondern komische Gestalten mit Fratzen waren. Dahinter stand ein riesiger gelber Baukran, der mittlerweile zum Symbol der Stadt geworden ist. Etwas schräg das ganze, aber wem’s gefällt…
Viel Zeit darüber zu schmunzeln hatte ich nicht, denn ich musste ja meine Mitfahrgelegeneit bekommen. Also ging es ziemlich fix mit der Tram zurück zur Wohnung, wo ich meinen Rucksack schulterte. Valeria brachte mich noch schnell zur Tram, dann fuhr ich in den Süden der Stadt zum Treffpunkt mit dem Fahrer. Ich denke, wenn man mal das Wetter bedenkt, habe ich ganz schön viel aus Nantes mitnehmen können.

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