Hier stand ich nun, mit klopfendem Herzen und völlig nassgeschwitzt, nicht mehr so sicher, ob ich das hier wirklich durchziehen wollte…

3:16 Uhr und ich war mit einem Mal hellwach. Mein erster Gedanke: “Wie spät ist es?!” Ah, noch eine Viertelstunde bis mein Wecker klingelte. Um nicht noch einmal einzuschlafen sprang ich schnell aus dem Bett. Und die Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich normalerweise nicht einfach so aus dem Bett springe.

Aber an diesem Tag war etwas anders – an diesem Tag sollte ich meine erste solo Backpackingreise antreten! Natürlich hatte ich da Angst zu verschlafen und war auch allgemein etwas aufgekratzt. In kürzester Zeit war ich fertig und schwang mir meinen vorbereiteten großen Rucksack auf den Rücken, den kleinen nahm ich nach vorn. Ein letzter Blick zurück, ob ich  auch ja nichts vergessen hatte – und hinaus in Hamburgs dunkle frühe Morgenstunden. Blöderweise hatte ich mich viel zu warm angezogen für so eine laue Winternacht, und so war ich bereits völlig durchgeschwitzt, als ich bei der S-Bahn ankam – eklig und natürlich viel zu früh.
Von Hamburg ging es um 6:40 Uhr mit dem Flieger nach London. Dort fiel mir gleich die erhöhte Präsenz des Sicherheitspersonals auf. Aber auch die Militärpolizei mit Maschinengewehren im Anschlag lief durch die Halle. Sogar ein Spürhund wurde gezielt auf das Gepäck und die wartenden Reisenden angesetzt. Der sehr süße schwarze Labrador hatte seinen Spaß und ich hoffte nur, dass er nicht bei dem Salamibrot in meiner Hand Laut geben würde. Andere Reisende wurden spontan nach ihren Papieren gefragt, ein anderer wurde mit tierischer Hilfe komplett durchsucht. Wenn man nichts zu verbergen hat und warten muss ist das Ganze ziemlich spannend.
Von London ging es dann nach Bordeaux, mein erster Stop auf dieser Reise. Hier habe ich auch das erste mal Couchsurfing ausprobiert. Mein Gastgeber war Elphège, ein Architekturstudent, urspünglich aus Caen in der Normandie. Er wohnt in einem winzigen Apartment mit zwei Zimmern inklusive Küche und einem kleinen Bad. Nach dem ersten Kennenlernen hat er mich mit in die Innenstadt genommen.

Mein Bett war seine Couch. Als Elphège nach dem Abendessen ging, um sich mit Freunden zu treffen (ich war mit eingeladen aber ich war einfach zu erledigt) war ich froh, da bleiben zu können und früh schlafen zu gehen.
Am nächsten Tag ging es ganz gemütlich gegen Mittag in die Innenstadt. Ich hatte mir einige Sehenswürdigkeiten vorgenommen und schaffte es tatsächlich, alles abzuarbeiten, bis ich mich um 15 Uhr mit Elphège in der Stadt traf.

In Bordeaux gibt es, wie in anderen Städten auch, über das Gebiet verteilt Stadtfahrräder. Mit einer Karte kann man sich eines nehmen und die erste halbe Stunde kostenlos fahren. Da Elphège so eine Karte hatte, hatte er mich für diesen Nachmittag auf eine kleine Fahrradtour in den Süden der Stadt eingeladen. Dieser Teil von Bordeaux ist noch relativ jung und es wohnen hier weitaus weniger Menschen. In einer alten Produktionshalle, die umgebaut nun ein hippes Bio-Café mit besonderer Atmosphäre beherbergt, gab es einen starken Kaffee. Bei der Gelegenheit quetschte Elphège mich auch etwas über Myanmar aus. Er plant bald eine Reise dorthin und ich hatte so einige Reisetips und Fotos auf Lager.

Weiter ging es in den Botanischen Garten und über die schöne alte Brücke zurück. Dort trennten sich auch unsere Wege für den Rest des Nachmittags. Das Fahrrad hatten wir insgesamt 3 mal eingecheckt und sofort wieder ausgeliehen, um die erste kostenlose halbe Stunde immer wieder auszunutzen. Ein fliegender Wechsel. Da ich einen Schlüssel hatte konnte ich nach der Tour in Ruhe einkaufen gehen (natürlich Baguette und Käse) und zurück kommen wann mir danach war. Für diesen Abend hatte Elphège wieder ein Treffen mit Freunden geplant, und wieder war ich eingeladen. Wieder lehnte ich dankend ab, ich war einfach zu platt. Stattdessen genoss ich in Ruhe und vollkommen glücklich und zufrieden mein Abendessen und kümmerte mich um die weitere Reiseplanung. Das ist noch etwas neu für mich, weil Asad das normalerweise macht und ich gemütlich mitlaufen kann. Jetzt liegt die Verantwortung komplett in meiner Hand, niemand da, auf den ich zurück fallen könnte…
Morgen geht es per Mitfahrgelegeneit etwas weiter in den Norden, nach La Rochelle. Bordeaux hat mir so gut gefallen, ich könnte glatt eine Woche hier bleiben und es würde doch nicht langweilig werden. Vielleicht trägt dazu auch bei, dass ich schon das eigenständige Umherlaufen sehr genossen habe. Nur die Selfies fallen mir noch schwer.

 

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